Flüchtlinge stellen sich vor

 

 

Ich heisse Rami Hanbaloz. Ich komme mit meiner Frau Nour aus Syrien, aus der Stadt Latakia. In Syrien habe ich als Bauingenieur und meine Frau als Rechtsanwältin gearbeitet. Der Krieg in unserem Land hat das Leben für

die Menschen sehr erschwert. Strom gab es nur unregelmäßig, es gab wenig zu kaufen, v.a. Lebensmittel waren knapp und alles um ein Vielfaches teurer. Gas zum Kochen gab es selten und die Menschen haben sich darum gestritten.

Viele Männer wurden gezwungen zum Militär zu gehen. Die Security, eine mächtige Organisation in unserem Land, konnte plötzlich und überall zu jeder Tageszeit auftauchen und hat die Männer einfach abgeführt.

Die Familien wussten nicht, wo ihre Männer hin gebracht wurden. Das war der Hauptgrund, warum ich mit meiner Frau Nour mein Land verlassen habe.

Wir haben über Nacht unser Haus verlassen und konnten nur 2 Koffer mitnehmen. Meine Frau war im 8. Monat schwanger. Die türkische Grenze war von unserer Stadt nur 1 Std. entfernt. Aber wir konnten diesen Weg nicht nehmen, weil er von der syrischen Armee kontrolliert wurde. Sie hätten mich

sofort verhaftet. Also machten wir einen Umweg, der uns aber durch Gebiete des IS und anderer Rebellen führte. Der IS hat jeden kontrolliert. Sie haben mich festgehalten, ich habe 1 Stunde mit dem Gesicht an der Wand gestanden,

weil das Passbild meiner Frau nicht ok war- sie trug kein Kopftuch. Überall mussten wir Bakschisch geben, damit wir weiterziehen konnten. Der Weg war sehr beschwerlich. Die Türkei haben wir mit 80 anderen Menschen bei Nacht mit einem Boot verlassen können nach Griechenland. Es musste alles so schnell gehen. Es war so eng und wir konnten uns kaum bewegen. Aber wir hatten

Glück, unser Boot ging nicht kaputt und es ist nicht gesunken. Von Griechenland konnten wir mit dem Flugzeug über Mailand nach Stuttgart fliegen.

Die Reise hat uns etwa siebzehntausend Euro gekostet. In Gaienhofen haben wir ein eigenes Zimmer bekommen mit einer eigenen Toilette. Es war himmlisch.

Wir haben hier in Gaienhofen sehr viel Hilfe bekommen- vom Helferkreis, vom Bürgermeister,von den Nachbarn und von unserem Vermieter und wir bedanken uns sehr dafür. Jetzt wohnen wir in einer eigenen Wohnung in Weiler und ich habe eine feste Anstellung.